| Jugendspiritualität in der Schweiz |
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Was Glauben Jugendliche? Resultate einer Untersuchung mit 1'089 Jugendlichen: Jugendliche sprechen kaum öffentlich über ihre Religiosität und Gebetspraxis. Selbst im Religionsunterricht thematisieren Jugendliche - nach Aussagen von Katechetinnen und Katecheten - selten eigene Glaubensvorstellungen und -erfahrungen. Da gesicherte Daten fehlten, wurde im Frühjahr 2000 eine Fragebogenuntersuchung durchgeführt. Das besonderes Interesse der Studie galt den 13- bis 16-jährigen, die durch Angebote der Kirche ansprechbar sind. Jugend ohne Gott? Die Mehrheit der befragten Jugendlichen glaubt an Gott. Über zwei Drittel (73.1%) der Jugendlichen bejahen die Existenz Gottes oder eines höheren Wesens. 27 Prozent der Befragten tendieren zu einem Nein, davon sind sechs Prozent überzeugt, dass es sicher keinen Gott gebe. Die Einschätzung der eigenen Religiosität wurde mit der Frage „Ich bezeichne mich im weitesten Sinn als religiös" erfasst. Für die Beantwortung dieser Frage konnte aus sechs Antwortmöglichkeiten, von „stimme überhaupt nicht zu" bis „stimme voll und ganz zu", ausgewählt werden. Immer zwei Antwortmöglichkeiten wurden zu drei Gruppen zusammengefasst. Die Gruppe der Wenigreligiösen umfasst etwas mehr als ein Drittel der Befragen (36.3%). 42.4 Prozent gehören zu den Mittelreligiösen. Jeder Fünfte (21.3 %) kann der Gruppe der Hochreligiösen zugeordnet werden. Über 40 Prozent aller Jugendlichen der Stichprobe beten mindestens einmal pro Woche, nur 18 Prozent geben an, überhaupt nie zu beten. Im Gegensatz dazu nimmt über die Hälfte der Befragten nie oder höchstens anlässlich von Kasualien und an Festtagen an Gottesdiensten teil. Nur etwas mehr als sechs Prozent geben an, wöchentlich einen Gottesdienst zu besuchen. Hier ist anzumerken, dass man aus anderen Untersuchungen weiss, dass Menschen die Häufigkeit des Gottesdienstbesuches überschätzen. Die wahren Werte dürften also noch tiefer liegen. Der markante Unterschied zwischen der Gebetshäufigkeit und dem Gottesdienstbesuch illustriert den Rückzug der Religion aus der Öffentlichkeit hin zu unsichtbaren, privaten Formen - eine Tendenz, die sich nicht auf Jugendliche beschränkt.Welche Bedeutung hat die Religion im Leben der Jugendlichen? Ein bedeutender Teil der 13- bis 16jährigen betrachtet den Glauben als Lebenshilfe. Bei rund 40 Prozent der Befragten stossen Fragen zu diesem Thema auf Zustimmung. Für 76 Prozent der Hochreligiösen ist der Glaube eine Hilfe bei der Bewältigung von Schwierigkeiten. Bei den Mittelreligiösen beträgt dieser Anteil 44 Prozent und bei den Wenigreligiösen 19 Prozent. Ob Jugendliche ihren Glauben als Lebenshilfe einschätzen, steht zudem in einem engen Zusammenhang mit der Häufigkeit des Betens. Erstaunlich ist hier nicht der Zusammenhang an und für sich, sondern seine enorme Stärke. Für die Häufigkeit des Gebets standen sechs Antwortmöglichkeiten von „nie" bis „mehrmals täglich" zur Verfügung. Der Mittelwert der Zustimmung zu den Fragen des Glaubens als Lebenshilfe nimmt von jeder Häufigkeitsgruppe zur nächsten im Schnitt um 17 Prozent zu! Die grosse Mehrheit (70 %) der befragten Jugendlichen bejaht die Aussage „Obwohl ich an Gott glaube, sind für mich viele Dinge im Leben wichtiger als Gott". Nur ein Fünftel (!) ist der Ansicht, den Glauben im Alltag verwirklichen zu können. Auch bei den Hochreligiösen ist nur die Hälfte (52.1%) davon überzeugt, den Glauben im Alltag verwirklichen zu können. Die Mittelreligiösen verneinen diese Frage zu 79 Prozent und die Wenigreligiösen gar zu 93 Prozent. Was kommt nach dem Tod? Die Deutung des Todes ist eine der Hauptfunktionen der Religion. 81 Prozent der Jugendlichen sind der Meinung, dass der Tod nicht das endgültige Ende sei. 35 Prozent bejahen die Auferstehungsvorstellung und für 45 Prozent ist die Wiedergeburtsvorstellung plausibel. Aus den drei Fragen zu den Nachtodesvorstellungen konnten sechs Gruppen gebildet werden. Vier dieser sechs Gruppen zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Mitglieder an ein Weiterleben nach dem Tod glauben: Auferstehung (10%), Wiedergeburt (22%), Auferstehung und Wiedergeburt (21 %) und Weiterleben ohne Wiedergeburt oder Auferstehung (28 %). Die 19 Prozent der Jugendlichen, die eher an kein Weiterleben glauben, lassen sich statistisch in zwei Gruppen aufteilen: Nach dem Tod ist alles aus (13 %) und Eher kein Weiterleben verbunden mit der Auferstehungsvorstellung (6 %). Besonders die letzte Gruppe überrascht; Zwar wird ein Leben nach dem Tod abgelehnt, aber tendenziell die Auferstehung bejaht. Bemerkenswert ist sicher, dass einerseits lediglich eine Minderheit (10%), die von den Kirchen vertretene Nachtodesvorstellung teilt. Andererseits schliessen sich Auferstehung und Wiedergeburt für eine beachtliche Zahl der Jugendlichen nicht gegenseitig aus und die grösste Gruppe glaubt zwar an ein Weiterleben, verneint aber sowohl die Auferstehungs- als auch die Wiedergeburtsvorstellung.Verschwindet das Christentum? In schöner Regelmässigkeit werden Berichte publiziert, die aus einer hohen Zustimmung zur Wiedergeburt das Verschwinden des Christentum zu Gunsten östlicher Vorstellungen voraussagen. Die Resultate der Studie sind scheinbar ein Beleg dafür. Erstaunlicherweise übt die Wiedergeburtsvorstellung aber weder auf die Selbsteinschätzung als Christ noch auf die Zustimmung zu christlichen Glaubenssätzen einen Einfluss aus! Hingegen hat die Zustimmung zur Auferstehung erwartungsgemäss einen Einfluss auf die Höhe der Zustimmung zu christlichen Bekenntnisfragen. Dieser Zusammenhang ist jedoch viel kleiner, als der Zusammenhang zwischen der Selbstbezeichnung als religiös mit den christlichen Aussagen. Der Anteil jener, die sich als sehr religiös und explizit als nicht-christlich verstehen, ist in der untersuchten Altersgruppe verschwindend klein. Das Christentum scheint bei den 13- bis 16jährigen, weder durch östliche noch durch atheistische Vorstellungen in Frage gestellt zu sein. Einzig die Verschiedenheit der Nachtodesvorstellungen mögen erstaunen. Dies wird für Institutionen, welche Wert auf uniforme Glaubensvorstellungen legen, zunehmend zum Problem werden. Resultate der qualitativen Fragen Die allermeisten Antworten der Jugendlichen auf die Frage wie sie Gott verstanden haben möchten, lassen sich in zwei Kategorien einteilen. Einerseits, Vorstellungen die Gott als Schöpfer, Beschützer oder zweiten Vater sehen oder anderseits Vorstellungen von Gott als Licht, Energie oder das Gute. Erwartungsgemäss nehmen die abstrakteren Vorstellungen bei den älteren Jugendlichen deutlich zu. Explizit weibliche Vorstellungen von Gott sind sehr selten. Die Mehrheit der 13- bis 16jährigen stellt sich die Beziehung Gott - Mensch in einem Austauschverhältnis vor. D.h. der Mensch wird von Gott entsprechend seiner Lebensführung belohnt oder sanktioniert. Diese Vorstellungen nehmen mit dem Alter der Jugendlichen tendenziell ab. Zunehmend werden Vorstellungen von der Trennung des Bereiches Gottes und des Bereiches der Menschen geäussert. Das Schweigen der Jugendlichen zur Gottesfrage darf, das zeigen die Daten, nicht mit Fehlen eines Gottesglaubens verwechselt werden. Die Religiosität der Jugendlichen ist weitgehend unsichtbar geworden. Dominik Schenker, Fachstelle für kirchliche Kinder - und Jugendarbeit, Auf der Mauer 13, 8001 Zürich, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. |