Definition Sekte

Sekte(n); im allgemeinen Verständnis eine religiöse Gemeinschaft, die sich von einer grösseren Einheit („Mutterkirche") getrennt hat. Der Begriff „Sekte" geht auf das lat. Secta („Richtschnur", „Schulrichtung") zurück, das von sequi („jemandem folgen") abgleitet ist. Das Neue Testament meinte mit secta (so in der - Vulgata, entsprechend dem griech.hairesis) eine rel. Partei oder Richtung, über die Jahrhunderte hat sich der Begriff inhaltlich völlig gewandelt. Heute wird damit im christl.-konfessionskundlichen Bereich eine den traditionellen Kirchen gegenüberstehende Gemeinschaft bezeichnet, die aufgrund ihres Selbstverständnisses, ihrer Lehren und Praktiken völlig von einer allgemein anerkannten ökumenische Basis abweicht. Wenn man den Begriff „Sekte" auf solche sich christlich verstehende Gruppen anwenden möchte, sind das Gruppen, die
  • die Heilige Schrift des Alten und des Neuen Testaments als wesentlich ergänzungsbedürftig ansehen und deshalb den biblischen Büchern weitere gleichwertige Offenbarungsquellen und daraus sich ergebende Sonderlehren an die Seite stellen
  • verkünden, das ewige Heil werde nicht allein im Glauben an Jesus Christus empfangen, und die darum anderen Heilswegen oder Heilsvermittlern anstelle oder neben Jesus Christus das Wort reden
  • das Heil ausschliesslich von der Mitgliedschaft in der eigenen Gemeinschaft abhängig machen, deshalb zum Übertritt werben und eine Gemeinschaft der Kirche darum ablehnen, weil sie auf einer strikten Trennung von anderen christlichen Gemeinschaften bestehen

(Informationen der Ökumenischen Centrale, Frankfurt, Juni 1998)


Als Hauptmotive für die Sektenbildung der Gegenwart lassen sich erkennen:
  • die Sehnsucht nach der Urgemeinde
  • individuelle Erlebnisse wie Offenbarungen, Visionen, Berufungen, innere Stimmen oder wundersame Heilungen
  • Endzeitspekulationen
  • Erneuerung des Kultus

Die Sekten im westlichen-europäischen Raum lassen sich typologisch ganz grob einteilen in „biblisch-apokalyptische" (z.B. Zeugen Jehovas), „apostolisch-endzeitliche" (z.B. Neu-apostolische Kirche), „neuoffenbarerische" (z.B. Mormonen, Fiat Lux, Universelles Leben), „spiritistisch-spiritualistische", „esoterisch-neugnostische" (z.B. Rosenkreuzer, Theosophie, Anthroposophie) und „Heiler -Sekten" (z.B. Gröning-Freundeskreise). Im ausserchristlichen Bereich ist Sektenbildung auch im Islam und im Judentum zu beobachten. Buddhisten und Hindus sprechen im Hinblick auf rel. Absplitterungen nicht von „Sekten", sondern von „Schulen" oder „Traditionen".

Kompaktlexikon Religionen / Rüdiger Hauth (Hrsg.), - Wuppertal: Brockenhaus, 1998
 
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